Nein, hier geht es nicht um Schiller oder Beethoven. Auch wenn man auf die Idee kommen könnte, dass schon Schiller mein Boot, die "GIOIA" gekannt haben muss als er die Ode an die Freude schrieb. Ganz so alt ist die Gioia dann aber doch nicht. Hier berichte ich über mein Segelboot, die Gioia und unsere gemeinsame Reise, beginnend im August 2011. Herzlich Willkommen.
Donnerstag, 10. Mai 2012
Internet, Wetter, Weingummi und ein Dentist
Hyperaktivität war ja noch nie so wirklich mein Ding. Auch wenn mein bisheriger Reiseverlauf etwas anderes vermuten ließ, habe ich schon immer alles etwas geruhsamer angehen lassen und mich wohl dabei gefühlt. So ist es jetzt auch im Spaanse Water, meiner Ankerbucht auf Curacao.
Der Tag beginnt im Cockpit mit einem Becher Kakao und einer guten Stunde im Internet.
Da lese ich dann die neusten Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport, informiere mich über die Wind- und Wettersituation der kommenden Tage und schmökere in den Internetreiseberichten anderer Segler. Mein momentaner Favorit dabei ist www.sawadi.info , Skipper Steffo läßt es deutlich ruhiger angehen als ich und liegt nach fünf Jahren Reisezeit nur noch rund 500 Meilen vorraus auf den San Blas Inseln vor Panama.
Wenn dann die Lesestunde beendet ist, geht’s erstmal zum richtig wach werden ins Wasser und ich schwimme einige Runden um die Gioia.
Im Unterschied zu Le Marin, wo ich jeden Liter Wasser per Dinghi mühsam im Kanister ranschaffen musste, kommt hier einmal in der Woche das Waterboat vorbei und liefert frisches Süßwasser, wie auf der ganzen Insel ist H2O nicht wirklich billig (ca. 0,06€ / Liter) aber bei einem Verbrauch von knapp 100 Litern in der Woche bringt mich die kurze, tägliche Heckdusche nicht an den Bettelstab.
Wenn Einkäufe anstehen, geht’s um 10 Uhr mit dem Shuttlebus zum Supermarkt, dort hat man dann eine Stunde Zeit um alles zu besorgen und wird anschließend wieder direkt am Dinghianleger abgesetzt. Die hiesigen Supermärkte bieten europäischen Standard, man kann shoppen was das Herz begehrt. Da gibt es Gesundes wie Obst und Gemüse aber eben auch weniger Gesundes wie z.B. Weingummi und Lakritz. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen und hab auch gleich den Preis bezahlen müssen. Ein herzhafter Biss ins Weingummi und es hat Knack gemacht. Das war es dann mit der Füllung meines Backenzahns. Aber auch die Zahnärzte bieten durchaus europäischen Standard und so hab ich mir gleich eine neue Kunststofffüllung verpassen lassen. Eine gute Stunde lag ich auf dem Stuhl und hab anschließend 199,- US $ bezahlen dürfen. Nun bin ich gespannt, wie ich diesen ersten Schadensfall mit meiner Auslandskrankenversicherung abgerechnet bekomme. Ich werde berichten.
An den Nachmittagen bin ich entweder ein bisschen auf der Insel unterwegs, wobei das bisher gesehene nicht allzu spektakulär war oder verbringe die heißen Stunden mit einem Buch im beschatteten Cockpit. Ausgesprochen unterhaltsam und informativ war in den letzten Tagen „Der Sturz der Titanen“ von Ken Follett, eine Geschichte über die Ursachen und den Verlauf des ersten Weltkrieges. Tausend Seiten in vier Tagen – ich sag ja, ich laß es geruhsam angehen...
Am Abend geht’s dann manchmal zum Seglerschnack auf ein Bier in die Hafenbar am Dinghianleger, wobei sich hier im Spaanse Water mal wieder deutlich zeigt, dass ich fürs Langfahrtsegeln ansich noch zu jung bin, der Altersdurchschnitt liegt doch deutlich jenseits der sechzig.
An anderen Abenden guck ich nach dem Essen einen Spielfilm oder surfe ein wenig im Netz und gehe zeitig in die Koje. Seglers Midnight ist eben doch bereits um 21 Uhr.
Statt des gewohnten, recht kräftigen Passatwindes war es in den vergangenen Tagen eher schwachwindig aus wechselnden Richtungen. Hinzu kamen recht kräftige nächtliche Niederschläge (an einem Morgen standen im Dinghi über 20cm Regenwasser!). Inzwischen normalisiert sich die Passatlage wieder und das ist auch gut so, denn der fehlende Wind ermöglichte es den nervigen Mücken an Bord zu kommen (keine Sorge, das ist nur lästig aber nicht gefährlich – Malaria gibt’s hier nicht) und die Niederschläge zwangen mich die Decksluken zu schließen, da wurde es dann richtig schön warm und stickig unter Deck, immerhin hat das umgebende Wasser hier 27° C.
Diese Wetterlage ist ansich untypisch so früh im Jahr, ist sie doch normalerweise das, was Curacao von den weiter nördlich durchziehenden Hurricanes abbekommt. Auch wenn es kein Sturm war, so gab es auf Martinique sintflutartige Niederschläge und westliche Winde. Wie ich gehört habe, ist der schöne Strand von St. Anne kaum noch vorhanden und die Bucht von Le Marin voll von eingespültem Müll, Laub und treibenden Ästen. Man gut dass ich dort weg bin.
Ansonsten gibt es nicht viel Neues zu berichten, ich ringe immer noch mit der Entscheidung wie es nun weiter geht, weiter nach Westen, noch schnell zurück in Richtung Azoren oder mit dem Flieger für einige Wochen in die Heimat? Jeden Morgen geht das Pendel in eine andere Richtung.
Sobald sich dbzgl etwas tut, lass ich es euch hier wissen.
Ach ja, moderne Zeiten. Neulich Abend war mein Internetzugang tatsächlich schnell genug um ein kostenloses Bildtelefonat via Skype in die Heimat zu führen, das ist doch wirklich Science Fiction oder? Da sitze ich in einer karibischen Ankerbucht und kann einem Freund in Hamburg den herrlichen Sonnenuntergang live mitverfolgen lassen.
Soweit für heute, demnächst kommen auch mal wieder ein paar Fotos.
Freitag, 4. Mai 2012
Törnplanung light – Tipps vom Greenhorn
Auf besonderen Wunsch aus Kiel, hier noch ein paar Anmerkungen zur jahreszeitlichen Törnplanung.
Seitdem ich die Leinen in Cuxhaven losgeworfen habe, hetze ich ja ein wenig der klassischen Törnplanung hinterher, denn normalerweise wird überall empfohlen deutlich früher im Jahr, also nicht erst Ende September, die nordeuropäischen Gewässer zu verlassen und sich in den Sommermonaten entlang der europäischen Küste gen Süden zu hangeln. Das macht auch sicherlich Sinn, denn ich habe es doch bedauert z.B. die wunderschöne Bretagne mehr oder minder links liegen gelassen zu haben. Wenn man dann nicht zu sehr bummelt, verläßt man im September den Heimatkontinent und steuert nach einem Stopp auf der Blumeninsel Madeira die Kanaren an. Dort angekommen hat man dann genug Zeit sich die sechs Inseln anzuschauen, besonders möchte ich dabei die westlichen Inseln empfehlen. Im Laufe des Dezembers geht es dann weiter, je früher man startet umso ratsamer ist es einen Abstecher zu den kapverdischen Inseln einzuplanen und man sollte sich nicht vom frühen Start der Veranstaltung für betreutes Segeln ARC Anfang Dezember täuschen lassen, denn die beste Zeit für eine Atlantikpassage beginnt mit dem Jahreswechsel. Die Gründe des frühen ARC Starts liegen eher darin begründet, dass die meisten Teilnehmer es begrüßen zum Weihnachtsfest wieder zu Hause zu sein.
Will man halbwegs genug Zeit zum erkunden der Karibik haben sollte man die Atlantikpassage gleich zu Beginn des Jahres angehen, denn man tut gut daran, zumindest die nördlichen Teile der Karibik im Mai zu verlassen. Denn ab Anfang Juni drohen schwere Stürme, deren Ursprung im intensiven Sonnenschein auf dem Atlantik vor Westafrika begründet liegt.
Auf vielen Inseln der Windwards gibt es halbwegs sichere Buchten, sogenannte Hurricaneholes, in denen man die Boote mit einem Spinnennetz aus Leinen an den am Ufer wachsenden Mangrovenbäumen vertäut. Allerdings sind diese sicheren Plätze begehrt und man sollte sich rechtzeitig um einen Platz kümmern, sonst kann es passieren, dass sich ein Sturm ankündigt und einem nur die Flucht nach Süden bleibt, weil die sicheren Plätze bereits belegt sind.
Ein Teil der Segler begiebt sich daher im April oder Mai auf den Rückweg und steuert über die Azoren wieder Europa an. Andere verdrücken sich nach Süden, z.B. nach Tobago, die Südamerikanische Nordküste (wobei man sehr viel schlechtes über Venezuela hört, Piraterie, Korruption, viel Dreck und Müll – wahrscheinlich ist man zumindest momentan gut beraten dieses ansich wohl wunderschöne Land auszulassen) oder die ABC Inseln.
Steht der Pazifik auf dem Plan kommt schon das nächste tropische Sturmsystem, die pazifischen Cyclone ins Spiel.
Denn auf dem Weg nach Polynesien überquert man den Äquator und auf der Südhalbkugel gehen die Uhren bekanntlich anders (ob das Wasser tatsächlich andersherum in den Abfluss des Waschbeckens strudelt und vor allem was genau auf dem Äquator passiert werde ich dann berichten). Die tropischen Stürme der Südhalbkugel drohen im dortigen Sommer, also ungefähr in der Zeit von November bis März. Will man also die südpazifische Inselwelt ausgiebig besegeln tut man gut daran im März oder April den Panamakanal zu durchqueren und sich wiederum auf den Weg nach Westen zu machen. Nach einigen Monaten im Paradies muß man sich dann rechtzeitig vor der Cyclonsaison entscheiden. Wird die Zeit oder das Budget in Polynesien knapp, kann man auch dem logischen Weg von Bernard Moitessier folgen, im letzten Blogbeitrag habe ich ja schon davon berichtet. Entscheidet man sich also für eine schnelle Heimkehr nach Europa (bei Moitessier war es die Sehnsucht nach den Kindern daheim), biegt man quasi in der Südsee links ab und steuert den Bereich der stetigen Westwinde ganz im Süden unseres Planeten an. Um dann das Kap Horn bei halbwegs passablen Bedingungen passieren zu können tut man gut daran, den Start so zu legen, dass man die Südspitze Feuerlands im südlichen Hochsommer (Dezember/Januar) umsegelt. Anschliessend braucht man nur noch im weiten Bogen bis kurz vor Afrika und dann nach Norden zu steuern. Wahlweise bieten sich dann Brasilien, die Karibik, die Kapverden oder auch die Kanaren als Zwischenstopps auf dem Weg nach Europa an.
Plant man die Circumnavigation zu vollenden steuert man z.B. Neuseeland oder Australien an. Viele legen dort eine Weihnachtspause ein, fliegen nach Hause oder bereisen diese tollen Länder für einige Monate mit einem Wohnmobil.
Anschliessend geht’s dann um Nordaustralien herum in den Indischen Ozean.
Dort wählen dann viele Segler die südliche Route über Mauritius nach Südafrika.
Die nördliche und sicherlich interessantere Route über Thailand und Indien zur Arabischen Halbinsel ist leider seit einigen Jahren aufgrund der misslichen Situation in Somalia und der daraus resultierenden Piratengefahr ansich nicht mehr praktikabel.
Ein gutes, wenn auch etwas unübersichtliches Nachschlagewerk zu diesem Thema ist „Segelrouten der Welt“ von Jimmy Cornell.
Donnerstag, 3. Mai 2012
Point of no Return – jetzt muss ich mich wohl entscheiden
Die Tage vergehen mal wieder wie im Flug. Selbst Kleinigkeiten halten mich einen halben Tag auf Trab. Busverbindungen sind zwar vorhanden aber nicht immer zuverlässig, ist der Busfahrer mal in Eile, läßt er auch mal einen Teil der Route aus und nimmt eine Abkürzung. Als ahnungsloser Tourist wartet man dann vergeblich an der Bushaltestelle bzw. sitzt bis zur Endstation im stickigen Bus, nur um anschließend die gleiche Strecke wieder retour zu fahren. Besonders ärgerlich ist soetwas, wenn man nach einem Supermarktbesuch mit einem Rucksack voller Obst, Yogurt und Aufschnitt dann in der prallen Sonne warten muss und den Lebensmitteln beim Vergammeln fast schon zuhören kann.
Aber immerhin gibt es Busverbindungen und manchmal sogar kostenlose Shuttlebusse zum Supermarkt.
Gestern konnte ich nun endlich mit dem Chef des Seaquariums sprechen, ich hatte ja ein wenig die Hoffnung dort einen kleinen Job zu bekommen, insbesondere weil die einzelnen Aquarien dringend etwas Zuwendung gebraucht hätten. Allerdings zeigte sich im Gespräch, dass der Zustand der Aquarien die Interessenlage des Inhaber recht gut wiederspiegeln. Sein Augenmerk liegt inzwischen auf seinem Uboot und seinem Forschungsschiff, die Aquarien laufen nur noch so nebenbei und werden ohne große Sachkenntniss betreut und leider besteht wohl auch kein Interesse daran etwas zu ändern.
Am vergangenen Wochenende konnte ich Matthias (dem hier auf Curacao als Delphintherapeut arbeitenden Bruder meines Freundes Martin) ein bisschen beim Anbau eines Vordaches an sein Haus helfen, zwei Tage haben wir zusammen mit drei weiteren Freunden gesägt, gebohrt und geschraubt und konnten am Sonntagabend auf einer richtig schicken Veranda unseren Sundowner trinken. Richtig viel Spaß hat es gemacht mal wieder an etwas anderem als der Gioia zu basteln.
Aber auch mein schwimmender Untersatz kommt nicht zu kurz. Inzwischen habe ich abermals ein neues Display für den Autopiloten eingebaut, allerdings nicht ohne vorher die zu langen Schrauben zu kürzen. Denn die hatten mir in den vergangenen Wochen all die Probleme bereitet (durch ihre Überlänge haben sie von hinten das Displaygehäuse geknackt und so der salzigen Feuchtigkeit Zugang zur Elektronik verschafft – diese hat das natürlich umgehend mit Korrosion und letztendlich einem Kurzschluss quittiert).
Auch habe ich endlich mal das Schaltgestänge an der Steuersäule ordentlich geschmiert, allerdings ist mir dabei eine der Schrauben des Schaltgehäuses abgerissen und wieder wurde aus einer Kleinigkeit eine fast tagesfüllende Beschäftigung. Jetzt warte ich noch auf eine Rückmeldung des örtlichen Riggers, ich hoffe, dass er mir mit einigen Teilen für meinen Spibaum weiterhelfen kann.
Für heute habe ich mir vorgenommen die Bremse meiner Ankerwinsch wieder gangbar zu bekommen und dann fehlt eigentlich nur noch ein Päckchen aus Fehmarn mit dem neuen Steuergerät für meine Heizung um die Gioia wieder 100% für die nächsten Etappen vorbereitet zu haben.
Damit wären wir dann auch beim Titel dieses Berichtes. Hier auf Curacao, nur noch gute 500 Meilen vom Panamakanal entfernt, wird mir nun besonders bewußt, dass ich nun eine Entscheidung treffen muß. Bisher habe ich ja versucht nicht allzu viele Pläne zu schmieden und bin einfach drauf los gesegelt. Nehme ich jetzt aber den Kanal in Angriff und wechsel damit vom Atlantik zum Pazifik ist mir der schnelle Rückweg nach Europa erstmal verbaut. Von Curacao aus könnte ich noch recht bequem Kurs Nord einschlagen und dann irgendwann in Richtung Osten die Azoren ansteuern. Bin ich aber erstmal auf dem Pazifik lägen viele tausend Meilen westwärts vor mir und als Alternative bliebe nur der große Bogen ums Kap Horn zurück in den Atlantik.
Eine Route die schon der große Bernard Moitessier als den logischen Weg beschrieben hat.
Ich gebe aber gerne und offen zu, dass ich sowohl vor der langen Route gen Westen als auch vor dem Weg ums Kap Horn gehörigen Respekt habe.
So sitze ich nun häufig im Cockpit, blättere in meinen Büchern, messe die Distanzen auf den Seekarten und rechne mit spitzer Feder im Kassenbuch der Gioia.
Denn leider ist mein Budget in den letzten Monaten schneller geschrumpft als gedacht und somit werden nicht nur Jahreszeiten und Entfernungen sondern auch ganz profane finanzielle Fragen limitierende Faktoren zur weiteren Törnplanung.
Die Lebenshaltungskosten halten sich zwar sehr in Grenzen, große Restaurant- und Barbesuche habe ich mir ja schon lange abgewöhnt und die paar Nudeln und Karotten die ich zum Leben brauche, sind kaum der Rede wert, aber die anfallenden Kleinigkeiten zur Bootsinstandhaltung summieren sich inzwischen doch schon ganz ordentlich.
Verzichte ich aber auf den Pazifik, muss ich mich richtig sputen, denn mit jedem Tag drohen nun vermehrt Hurricanstürme in der östlichen Karibik
Letztlich denke ich, dass ich mich der Herausvorderung des Pazifiks stelle und nach der Passage des Panamakanals direkt die Marquesas ansteuere, dort kann ich dann immernoch entscheiden ob es weiter gen Westen oder rund ums Horn zurück geht.
Donnerstag, 26. April 2012
Telefon!
Seit gestern habe ich nun auch eine örtliche Telefonnummer und dauerhaft Internet an Bord - bin also wieder erreichbar.
Meine neue Mobilnummer: 01069 005999 5167385 (7,4ct/min)
Email wie gehabt.
Skypename TurTur650
Mittwoch, 25. April 2012
Einklarieren auf Curacao – ein nicht ganz unkomplizierter Job
willemstad auf einer größeren Karte anzeigen
Man könnte ja meinen, wenn das Boot
erstmal sicher vor Anker liegt, alle Schoten und Fallen sauber
aufgeschossen, die Segel zusammen gelegt und gut vor dem Sonnenlicht
geschützt sind und das Ankunftsbier getrunken ist, läge der
anstrengenste Teil des Törns hinter einem. Hier auf Curacao liegt
man mit dieser Ansicht voll daneben.
Denn wie überall, ist es auch hier
obligatorisch den Behörden die Ankunft des Schiffes mitzuteilen.
Auf der schönen Insel Curacao ist es
aber deutlich aufwendiger als auf allen bisherigen Stationen meiner
Reise und daher einen eigenen kleinen Bericht wert.
Für meinen Landfall auf Curacao habe
ich die, auch in vielen Törnführern empfohlene Ankerbucht „Spaanse
Water“ ausgewählt. Durch einen kleinen Kanal, gesäumt von Klippen
und Untiefen, gelangt man in die weitläufige und verzweigte Bucht.
Mein Versuch einen Liegeplatz in einer
der Marinas zu bekommen scheitert und deshalb geht es wieder einmal
vor Anker. Das verkompliziert zwar die Abreise von Kurzzeitmitsegler
Frank, schont dafür aber die Bordkasse.
Zum Einklarieren muß man in die etwa
10km entfernt gelegene Hauptstadt Willemstadt und dort neben dem Zoll
auch die Immigration- und Hafenbehörden aufsuchen.
Da Frank schon am Tag nach unserer
Ankunft wieder mit dem Flugzeug ausreisen will, beschliessen wir
trotz fortgeschrittener Uhrzeit einen Versuch zu unternehmen.
Also pumpen wir das Dinghi auf und
packen alle notwendigen Papiere (Reisepässe, Bootspapiere, Zarpe
(Ausklarierungsbestätigung des letzten Hafens) in einen
wasserdichten Sack und machen uns auf den Weg zum nächstgelegenen
Dinghianleger im Fischerhafen.
Von dort sind es nur wenige Minuten
Fußmarsch bis zur Bushalte (klingt nach Jugendslang, heisst hier
aber tatsächlich so). Nach fast einer Stunde Wartezeit kommt dann
auch endlich ein Minibus der uns schnell und preiswert in die
Hauptstadt bringt.
Von der dortigen Bushalte ist es nicht
weit bis zum Gebäude des Zolls, doch hängt in der Tür nur eine
kurze Notiz, dass man bei Bedarf bitte die genannte Nummer anrufen
soll.
Normalerweise ja kein Problem aber
leider fehlen den deutschen Telefonanbietern hier die Roamingpartner
und so funktioniert keines unserer drei Handies.
Dann also erstmal zur Immigration.
Irgendwie war aber unsere Wegbeschreibung nicht so ganz eindeutig,
zumindest verging uns schnell die Lust ohne definitives Ziel bei
Nacht durch den Hafen zu laufen und unsere Mägen waren auch am
Knurren. Schnell fand sich ein kleines Restaurant mit freiem
Internetzugang und so konnten wir nicht nur etwas essen sondern auch
per Skype den Zoll ins Büro bestellen.
Inzwischen war es 22.30 Uhr und somit
klar, dass wir den Einklarierungsjob an diesem Tag nicht mehr
erledigt bekommen. Der letzte Bus war eh schon weg und so konnten wir
ganz in Ruhe noch ein Bier trinken gehen.
Per Taxi ging es dann zurück zur
Ankerbucht.
Am nächsten Morgen dann der zweite
Versuch, nochmals mit dem Bus in die Stadt, diesmal mit exakter
Ortsbeschreibung. Um überhaupt zum Imigrationoffice zu gelangen,
müssen wir erstmal durch eine Kontrolle auf den Kreuzfahrerpier.
Dafür werden unsere Daten notiert und ein Beleg ausgestellt, der,
vom Immigrationofficer gegengezeichnet, beim Verlassen des Piers
wieder abgegeben werden muss. Das Büro war dann auch schnell
gefunden und die Dokumente ausgefüllt und abgestempelt. Allerdings
war der Hafenmeister bei unserer Ankunft gerade in die Mittagspause
gegangen und erst zwei Stunden später für uns erreichbar.
Immerhin hatte Frank seinen
Einreisestempel im Pass und seiner Ausreise stand nichts mehr im
Wege. Nach einem letzten gemeinsamen Kaffee in der Stadt
verabschiedeten wir uns voneinander und ein Taxi brachte Frank zum
Flughafen.
Ich bin noch ein wenig durch die Stadt
gebummelt um dann erneut beim Hafenmeister vorstellig zu werden.
Schnell war dann die Ankererlaubnis für drei Monate erteilt (Kosten
10$) und ich konnte mich auf den Rückweg zur Gioia machen.
Es war natürlich schon ein bisschen
anstrengend bei dreissig Grad durch die Stadt zu rennen, im
Nachhinnein ging aber alles trotz aller Komplikation ausgesprochen
freundlich und problemlos über die Bühne. Jetzt könnte ich ohne
weiter Kosten und Formalitäten volle drei Monate auf dem Ankerplatz
liegen bleiben – auch nicht so schlecht. Trotzdem ist es gut, dass
anderenorts sich das ganze Procedere normalerweise etwas
unkomplizierter gestaltet.
Montag, 23. April 2012
Wie einst Hans Hass...
Inzwischen habe ich mich hier auf
Bonaire ein wenig eingelebt und bin von Tag zu Tag mehr begeistert.
Die Gioia liegt direkt vor der Uferpromenade von Kralendijk an einer
Mooring, aus dem Cockpit fällt der Blick auf die kleine, unter
Naturschutz stehende Insel Klein Bonaire.
Das Wasser unter dem Rumpf ist von
faszinierender Klarheit, bunte Fischschwärme stürzen sich auf jeden
über Bord geworfenen Brotkrümel.
Am Mittwoch Abend stand in der Beachbar
plötzlich Achim aus Bremen vor mir.
Vor fast einem halben Jahr haben wir
uns auf La Graciosa kennen gelernt, ich stand ganz am Anfang meiner
Reise und Achim war ein paar Tage zum Entspannen auf die Insel
gekommen, wir tranken einige Biere zusammen und Achim half Freund
Krischan noch beim Verlegen der Taina.
Nach guten fünf Monaten Alltag in
einer Bremer Klinik für Achim und ein paar Seemeilen im Kielwasser
für mich stehen wir uns nun hier gegenüber – was für ein Zufall!
Wie klein die Welt doch sein kann.
Gemeinsam mit Frank, Achims
Zimmernachbarn aus dem Hotel gehen wir nicht nur ein paarmal essen
sondern unternehmen auch einen kleinen Mietwagenausflug um die Insel.
Und Bonaire kann wirklich rundherum
überzeugen, denn die gesamte Uferlinie ist mit Tauchspots und
Badestränden gesäumt. Schon Hans Hass hat hier Anfang der
dreissiger Jahre die Unterwasserwelt erkundet und begeistert davon
berichtet.
Die seit dem vergangenen achtzig Jahre
haben natürlich auch hier für Veränderung gesorgt.
Die Salzgewinnung ist neben dem
Tourismus noch immer der wichtigste Wirtschaftszweig, nur das die
Salz schaufelnden Sklaven inzwischen von Baumaschinen abgelöst
wurden. Die erschreckend winzigen Sklavenhütten stehen aber noch
immer am Strand und lassen erahnen wie menschenverachtend die
damaligen Zeiten waren.
Im Norden der Insel wurde eine
Ölraffinerie gebaut und das war es dann auch schon so ziemlich mit
der Inselindustrie.
Dank KLM sind die ABC Inseln gut und
günstig (ca. 500,-) von Europa aus zu erreichen und so verwundert es
doch ein wenig, dass die Deutschen dieses Urlaubsparadies noch nicht
wirklich für sich entdeckt haben.
Inzwischen ist Achim wieder in
Deutschland und ich habe ein bisserl was an der Gioia getan.
Es war mal wieder an der Zeit das
Unterwasserschiff samt Opferanoden und Kühlwassereingang zu
reinigen. Bei diesen Bedingungen ist das aber eher eine Freude als
Arbeit, schnell war ich umzingelt von hunderten Fischen, die sich den
abgeschabten Bewuchs schmecken liessen (ich hoffe es ist ihnen
bekommen). Von Zeit zu Zeit schaut auch immer mal wieder eine
Schildkröte am Boot vorbei und mit etwas Glück entdeckt man auch
mal eine Art kleiner Mantarochen.
Gestern Abend gab es dann mit Frank ein
kleines BBQ an Bord und wir haben verabredet, dass ich ihn am Montag
mit nach Curacao nehme.
Heute habe ich dann auch endlich die
Ankerkette mit Längenmarkierungen versehen, so dass ich nun deutlich
besser abschätzen kann wieviel Kette ich am Ankerplatz stecke.
Ein weiterer Punkt auf der to-do-Liste
war die Schaltung, die langsam begann etwas schwergängig zu werden.
Ansich eine schnelle Aktion, Gehäuse an der Steuersäule öffnen,
ein wenig WD40 gesprüht und gut – denkste! Die Gehäuseschrauben
waren etwas korrodiert und liessen sich nur schwer lösen und der
Kopf der letzten Schraube ist dann, wie sollte es auch anders kommen,
abgerissen. So musste ich mit Akkubohrer, Metallsäge und Zangen
sehen wie ich den Schraubenrest aus dem gehäuse bekomme. Ganz ist es
mir noch nicht gelungen, einen Stummel habe ich mir für Curacao
aufgehoben, aber zumindest habe ich das Schaltgehäuse aufbekommen
und konnte es wieder leichtgängig machen.
Heute Abend werde ich dann noch
ausklarieren, die Gioia soweit segelklar machen und morgen dann die
knapp vierzig Meilen nach Curacao segeln.
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